Wahlen durch Medien einfacher
19.03.2009
Dass Wahlkämpfe heutzutage - im 21. Jahrhundert – auch über Medien wie das Internet erfolgreich ausgetragen werden können, ist spätestens seit der erfolgreichen Online-Kampagne von US-Präsident Barack Obama bekannt. Doch nicht nur in Amerika halten die Medien Einzug in die Wahlprogramme. Möglichkeiten wie Blogs, YouTube, Twitter oder andere soziale Netzwerke sind im Wahljahr 2009 inzwischen auch bei deutschen Politikern angekommen – auch wenn die Akzeptanzt bei diesen nur langsam steigt. Sogar bei Wahlkämpfen in Schwellen- und Entwicklungsländern gewinnt die Nutzung von Medien immer mehr an Bedeutung, eine Tatsache, die bisher nicht vielen bekannt war. Zwar ist der Zugang zum Internet in diesen Gebieten relativ schwer, doch bedient man sich dann einfach Ersatzmedien wie dem Handy.
Weltweit besitzt fast jeder Vierte eine Verbindung zum Internet, in Afrika ist das nach Angaben des Medienwissenschaftlers Harry Dugmore von der Rhodes Universität in Südafrika nicht einmal bei sechs Prozent der Bevölkerung der Fall. Dafür besitzen über fünfzig Prozent der Erwachsenen ein Handy. Das Mobiltelefon sei das wichtigste digitale Werkzeug für Afrika, berichtete Dugmore am Donnerstag auf der Medienkonferenz.«Wahlkampf im Netz» in Berlin, zu der die Organisation Internationale Weiterbildung und Entwicklung (InWEnt) Journalisten und Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern einlud.
Bei der Wahl des Präsidenrn in Ghana gegen Ende des Jahres 2008 waren Berichten zu Folge Handy-Kurznachrichten (SMS) der Wahlandidaten an die Wähler eines der beliebtesten Wahlkampf-Instrumente. Diese wurden allerdings auch missbraucht. Neben Werbung für die eigenen Positionen wurden auch bewusst gefälschte Meldungen an die Bevölkerung versandt.(«Ich sehe ein, dass ich zu schwach bin. Wählen Sie lieber meinen Gegenkandidaten.»)
Bei der Auswertung der Wahl durch Organisationen, die unabhängig von der Regierung agieren, wurde laut Dugmore Handys eine entscheidende Rolle zuteil: Die Mitarbeiter der Wahllokale schickten die in den einzelnen Dörfern verkündeten Ergebnisse per SMS an eine Zentrale, wo die zusammengerechneten Zahlen dann mit dem offiziellen Wahlergebnis verglichen wurden. Dank eines ähnlichen Verfahrens war nach der Wahl in Simbabwe sofort klar, dass der seit Jahrzehnten regierende Präsident Robert Mugabe schlechter als sein Herausforderer abgeschnitten hatte.

