Handybücher
29.03.2009
Mit dem Daumen einen Bestseller fürs Handy tippen? In Japan ist dies schon seit längerem möglich – die sogenannten Handyromane haben dort schon längst die Bestsellerlisten erobert – zu fast 50 Prozent.
Das Handy brachte damit eine neue Literaturform hervor, die nun auch in Europa anfängt gelesen und geschrieben zu werden. Einen Handyroman erhält man von einem SMS-Dienst, lädt diesen auf sein Handy herunter und beginnt zu lesen. Möglich ist dies im Bus, in der U-Bahn in der Mittagspause und eigentlich überall, wo man sich gerade befindet, wenn man sein Handy dabei hat. Diese neue Form der Literatur – auch “Unterwegs-Literatur“ genannt – besteht aus etwa 8.000 Zeichen. Man benötigt für das Vergnügen nur ein Handy mit einem relativ großen Display (um den Lesekomfort zu erhöhren), wenig Geld und etwa zehn Minuten Zeit.
Das neue Genre passt sich seiner der äußeren Form und der Zielgruppe an: Kurze Sätze (sodass der Leser den Überblick behält auf seinem kleinen Display), knappe Dialoge und schnelle Handlungsverläufe sind die Kennzeichen dieser Handyromane. Auch hier gibt es Reihen oderFortsetzungsromane und manche SMS-Romane wurden auch schon in Büchern abgedruckt.
Einer der bekanntestens Deutschen Handyromanautoren ist Oliver Bendel. Er lebt in der Schweiz und schreibt, wie er sagt, “locker leichte” Handyromante. Sein erstes Werk heißt „Lucy Luder und der Mord im studiVZ“. Es erschien 2008 und entführt den Leser in die Welt einer jungen Berliner Detektivin. Lucy löst ihre Fälle schnell (wie es für einen Handyroman üblich ist). Für sie – wie auch für die meist jugendlichen Leser, die Zielgruppe der Handyliteratur – ist ein Leben mit Technik und Multimedia selbstverständlich. Der Roman wirkt so viel ansprechender auf seine Zielgruppe.
Handyromane bieten speziell für junge Menschen eine Einstiegsmöglichkeit in die Welt der Literatur. Die Veröffentlichung sowie Verbreitung ist viel einfacher und günstiger. Gegen ein Entgeld kann man sich bei Oliver Bendel sogar in einen Roman “einkaufen”, das heißt, man selbst spielt dann die Hauptrolle. Auch ermöglicht er Jungautoren den Vertrieb ihrer Texte als „mobile books“.

