SMS führt zu Verhaftung
05.05.2009
In Frankreich wurde ein junger Franzose für 24 Stunden von der Polizei in Gewahrsam genommen. Der Grund hierfür war eine SMS, deren Inhalt verdächtig war.
Wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet, stand in der SMS: “Hast du eine Idee, wie man einen Zug zum Entgleisen bringen kann?” Diese SMS hätte er, so die Behörden, sofort melden müssen. Da er dies nicht tat, wurde der 29-Jährige aus Abbeville (Picardie) in Nordfrankreich von der Polizeit festgenommen und das sogar, obwohl er keine Vorstrafen aufweist.
An die Polizei war das ganze geraten, weil die SMS von der Telefongesellschaft des 29-jährigen abgefangen wurde. Dies war wiederum geschehen, da das Handy des jungen Franzosen in Reperatur war und er daher ein Ersatzhandy gestellt bekam. Der Mobilfunkanbieter tat das, was die Behöden verlangten: Er meldete die SMS bei der Staatsanwaltschaft, woraufhin unverzüglich eine Vorladung an den SMS-Empfänger versandt wurde. Die SMS kam ursprünglich wohl von einer Arbeitsbekanntschaft – ob sie ernst gemeint war oder nicht, das war für die Behödern zu dem Zeitpunkt nicht erschließbar.
Zeugenberichten zu Folge war der Handybesitzer sichtlich überrascht, als der Staatsanwalt ihn des Terrorismusverdachts beschuldigte und ihm eine bis zu zehn Tage dauernde Haft androhte. Er selbst aber sagte dazu, er habe in der SMS “nichts Böses gesehen”. Die Staatsanwaltschaft sieht das natürlich anders, der führende Staatsanwalt sagte, er habe sich zum Handeln gezwungen gefühlt, schließlich sei nicht zu erkennen gewesen, was die Absicht des Verfassers gewesen sei. Durch die steigende Angst der Bevölkerung vor Terrorismus müsse man jeder erdenklichen Spur nachgehen.
Ein weiterer Vorfall aus dem vergangenen Jahr wirkte sich außerdem auf das übereilte Handeln der Staatsanwaltschaft aus. Die Affäre Tarnca, die sich im Herbst letzten Jahres in Frankreich ereignete, war dem Staatsanwalt wohl noch vor Augen. Hier wurden ebenfalls mehrere Personen festgenommen, da sie im Verdacht standen, einen Zug zum Enztgleisen gebracht zu haben. Diese wurden zwar später wieder freigelassen, da die Beweise gegen sie nicht ausreichten, doch war die Angst vor einem erneuten Vorfall wohl sehr präsent.
Der junge Franzose hat sich mittlerweile mit dem verantwortlichen Arbeitskollegen auseinenader gesetzt. Der Öffentlichkeit erklärte er, dass es sich um einen Scherz mit schlechtem Geschmack gehandelt habe. Der Mobilfunkanbieter des Betroffenen 29-jährigen ermittelt hingegen ebenfalls. Die Leitenden der Firma möchten herausfinden, wie es möglich war, dass Mitarbeiter die SMS lesen konnten und sie dann an die Behörden weiterleiteten. Auf dem Spiel steht schließlich der Ruf um Diskretion.
Außerdem steht auch das Gesetzt gegen die Firma. Eine Sprecheren sagte der französischen Presse: “Dem Mobilfunk-Betreiber ist es nicht erlaubt, den Inhalt einer SMS an Behörden weiterzugeben, es sei denn auf eine gerichtliche Anordnung. Wir haben nicht das Recht, Inhalte, die unsere Kunden austauschen, zur Kenntnis zu nehmen”.
Der Staatsanwalt hatte zuvor darüber hinweg gesehen, da seiner Meinung nach wichtigere Dinge auf dem Spiel standen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass die Mitarbeitet die SMS unrechtmäßig gelesen haben, droht der Firma eine Klage des jungen Franzosen, da dieser auf seinem Recht auf Diskretion verharren könnte. Ob er dann allerdings noch Lust hat, sich mit weiteren Gerichtsverfahren herumzuschlagen, bleibt fraglich – doch stünde dadurch für ihn eine Entschädigung für den Aufwand durch das Gerichtsverfahren in Aussicht.
Ob der verantwortliche Arbeitskollege für seine SMS zur Verantwortung gezogen werden kann und wird, ist derzeit ebenfalls noch nicht bekannt. Allerdings ist es momentan nicht mehr zu erwarten, da ja anscheinend auch keine weitere Terror- oder Manipulationsgefahr besteht.

