Menschenschmuggel per SMS aufgedeckt
03.05.2009
Ein 44-jähriger Serbe hat 47 Menschen über die Grenze geschmuggelt. Nun hat er vor dem Gericht ein Geständnis abgelegt, was ihm mindestens ein Jahr Haft ersparte. Aufgedeckt wurde der Schmuggel durch eine SMS der Polizei.
Der 44-Jährige hatte im vorigen Dezember 47 Menschen – unter denen sich auch ältere Menschen und zwölf Kinder befanden – in einem kleinen Hohlraum im Anhänger seines LKW von Serbien über mehrere Grenzen nach Deutschland schmuggeln wollen. Die Geschmuggelten mussten bei Temperaturen um de Gefrierpunkt circa 34 Stunden ohne etwas zu Essen, zu Trinken in dem Anhänger verharren. Des weiteren war der Hohlraum viel zu klein und ihnen fehlte es an einer Möglichkeit, ihre Notdurf zu verrichten. Vier Männer erlitten eine Unterkühlung. Ein an Gehirntuberkulose erkranktes Kind musste zusehen, wie sein Drainageschlauch verstopfte – eine Möglichkeit, dies zu beheben, gab es nicht. Das Kind war, nachdem der Schmuggel aufgeflogen war, umgehend ins Krankenhaus gebracht worden, wo es eine Notoperation über sich ergehen lassen musste. Die Eltern des Kindes hatten es nach Deutschland geschickt, da sie hofften, ihr Sohn könnte dort behandelt werden.
Zwischen 1000 und 1200 Euro mussten die Serben bezahlen, um sich nach Deutschland bringen zu lassen. Die meisten folgten Angehörigen, die bereits in Deutschland lebten. Die meisten Opfer zeigten sich mit den Transportumständen nicht unzufrieden, sie nahmen sie mehr oder weniger freiwillig in Kauf. Der zuständige Richter erklärte allerdings, er könne soetwas nicht dulden, selbst bei Tiertransporten wären die Umstände glücklicher. Mit dem Urteil wolle er ein Zeichen setzen.
Der Schmuggel war aufgedeckt worden, weil Polizisten bei einer Telefonüberwachung im Rheinland-Pfalz Gebiet durch Zufall Hinweise auf obigen Schmuggel erhalten hatten. Sie ermittelten die Handynummer des Lastwagenfahrers und konnten sein Mobiltelefon dann orten. Dies geschah mit Hilfe einer sogenannten “stillen SMS”, die er Empfänger nicht bemerkt, die den Polizisten aber die Aufenthaltsdaten des Handys schickt.
Bei den Ermittlungen stieß die Staatsanwaltschaft auf telefonisches Material, aus dem hervorgeht, dass der Lastwagenfahrer sich seiner menschlichen Fracht bewusst war. “Ich fahre nicht nur Kartoffeln, sondern auch Menschen”, erklärte er am Telefon einem “Mitarbeiter”, als dieser ihn fragte, warum er so langsam vorankomme.
Die Beweise sprachen vom Beginn des ersten Prozesstages an bereits gegen den Serben, die Staatsanwaltschaft trug immer mehr Material zusammen. Die 44-jährige gestand daraufhin sofort, was dem Gericht eine mühsame Beweisaufnahme und Verhandlung ersparte. Der Richter zeigte sich daraufhin begünstigt. Er sagte dem Angeklagten später, sein umfassendes Geständnis habe ihm über ein Jahr Haft erspart.
Das Gericht ist davon überzeugt, dass hinter dem Fahrer eine größere Organisation steckt, die in Serben ansässig ist. Allerdings verlor der Angeklagte nicht ein Wort über eventuelle Komplizen oder Hintermänner.
Der Rechtsanwalt des Angeklagten, Igor Samardzic, verwies auf die persönliche Situation des vierfachen Familienvaters. Dieser sei außerdem noch nicht vorbestraft. Dieser scheint die Sache zu bereuen. Er hatte sich unter Tränen bei seiner serbischen Familie für sein Handeln entschuldigt.

