Bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten gestern gab es gleich mehrere Fehlschläge: 1. Wie so oft, war das Internet wieder schneller: Bei Twitter konnte man das Ergebnis der Wahl schon vor der öffentlichen Verkündung lesen. Dies ist an sich nichts ungewöhnliches, hat Twitter doch schon des öfteren bewiesen, ein schneller Informant zu sein, doch fragt mag sich, wie die Information an die Öffentlichkeit geraten konnte.
2. Im Reichstag selbst sorgte ein Fehler in der Organisation für eine kleine Aufregung. Es waren nämlich bereits Blumensträußte verteilt worden, bevor der Präsident des Bundestages, Norbert Lammert, der Öffentlichkeit, und damit auch dem wiedergewählten Horst Köhler mitteilte, dass die Mehrheit der 1224 Mitglieder der Bundesversammlung für Köhler gestimmt hatten. Dies geschah um circa 14.30 Uhr, die Blumensträuße waren jedoch bereits zuvor unter die Versammlung gebracht worden.
Das ganze soll darauf zurückzuführen sein, dass um 13:25 die Bundesversammlung von Bundestagspräsidenten unterbrochen wurde um die Stimmen auszuzählen. Dies ist nichts ungewöhnliches, doch wurde die Auszählung wiedrholt, da das Ergebnis sehr knapp ausfiel und man Fehler vermeiden wollte (613 der 1223 Abstimmenden wählen für Prof. Dr. Horst Köhler). Nach der zweiten Auszählung seien nun bereits gegen 14 Uhr inoffiziell SMS, die die Ergebnisse der Wahl beinhalteten an Abgeordnete der CDU und der FDP weitergeleitet worden, kurz darauf, gegen 14.15 Uhr habe der erste Bundestagsabgeordnete – Ulrich Kelber – ein Abgeordneter SPD das Wahlergebnis bei Twitter veröffentlicht und damit ganz Deutschland zugängig gemacht. Um circa 14.18 Uhr habe dann auch Julia Klöckner von der CDU das Ergebnis veröffentlicht. Diese war aber persönlich an der Stimmauszählung beteiligt. Nun werden Untersuchungen angestellt, ob die damit das Wahlgeheimnis verletzt hat.
Eine weitere Verzögerung trat dadurch an, dass der Auto-Konvoi vom Schloss Bellevue zum Bundestag viel länger als geplant dauerte. Erst 14:26 sei Horst Köhler im Bundestag eingetroffen. Allerdings waren bereits Minuten vorher Blumensträuße verteilt worden, die dann wieder eingesammelt werden mussten.
Der Grünen-Politiker Volker Beck äußerte sich bei Twitter über die Ereignisse kritisch. Er betitelte sie als "protokollarischen GAU" und erklärte, das müsse im Ältestenrat besprochen werden. Ulrich Kelber hingegen "kennt kein Verbot" der Bekanntgabe von Wahlergebnissen, unter anderem weil er nicht an der Auszählung beteiligt war.

